SALAM.ORIENT 2012
16. Oktober bis 10. November 2012
Festivalinitiator und -leiter Norbert Ehrlich über das Programm:
STELLUNGNAHME ZUM BOYKOTT DURCH PACBI
– (Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel)Das Festival Salam.Orient hat erstmals 2002 als Festival Salam.Islam stattgefunden. Es war als direkte Reaktion auf 9/11 entstanden, als Gegengewicht zur neuen Feindbildsuche nach den Attentaten von Terroristen in den USA. Seit 2005 wurde der Titel in Salam.Orient erweitert, um auch Kulturschaffenden ohne direkten Zusammenhang mit religiösen Werten die Teilnahme zu ermöglichen. Veranstalter ist der private Verein Vienna Acts.
Das Festivals war und ist von Anfang an ein Kulturfestival. Seine Grundsätze sind Dialog der Kulturen – in Distanz zu Regierungen oder politischen Parteien Zeichen des Friedens, des Miteinander und des gegenseitigen Respektes zu setzen Stärkung der Präsenz von Frauen Präsentation kultureller Vielfalt.
Im Zeitraum der letzten elf Jahre sind Dutzende von Künstler/innen aus orientalischen Ländern, insbesondere auch aus dem so vielfältigen arabischen Raum mit all seinen Divergenzen, bei Salam.Orient aufgetreten. Wir haben den Künstler/innen immer eine Plattform geboten, unbehindert ihre Meinung über für sie relevante Themen zu äußern, ihre Musik zu spielen, ihre Theaterstücke zu zeigen (zuletzt 2011 etwa dem palästinensischen Jugendtheater „Freedom Theater“ mit einem heftigen und sehr israel-kritischen Stück!). Wir sind zudem die einzige regelmäßige Plattform für Kulturschaffende aus diesem Raum in Österreich. Das Festival gibt den Teilnehmer/innen die Möglichkeit, dadurch gebührend medial wahrgenommen zu werden.
Da Salam.Orient keine gewinnorientierte Einrichtung ist, ist es auf Förderung durch staatliche sowie nichtstaatliche Organisationen angewiesen. Das Entgegennehmen von solchen Unterstützungen ist jedoch kein politisches Statement.
Der Grund für den Boykott: wir haben ein Musik-Ensemble aus Tadschikistan eingeladen. Die Musiker leben in Israel. Daher haben wir die israelische Botschaft in Österreich um Förderung dieses Konzertes ersucht. Diese Förderung für israelische Künstler wurde uns zugesagt. Dafür scheint die israelische Botschaft mit ihrem Logo in der Sponsorenliste von Salam.Orient auf. Das bedeutet in keiner Weise, dass die israelische Botschaft auf Inhalte oder die Programmgestaltung Einfluss nimmt. PACBI fordert jedoch zum Boykott auch aller Kultureinrichtungen auf, welche mit offiziellen israelischen Stellen Verbindung haben. Für Salam.Orient - gerade wegen des jahrelangen Einsatzes auch für die arabische Perspektive - ist dieser Boykott unverständlich.
Wir nehmen die Absagen von Lena Chamamyan & Ensemble aus Syrien sowie von Malikah & Friends aus dem Libanon mit großem Bedauern zur Kenntnis.
Norbert Ehrlich
für den Verein Vienna Acts
PROGRAMMÜBERBLICK
Auf dem Programm von „Salam.Orient. Musik, Tanz und Poesie“ 2012 stehen vom 17. Oktober bis 10. November insgesamt 26 Einzelveranstaltungen in Wien und in Graz. Die programmatische Bandbreite reicht von Konzerten, Tanz und Theater heimischer und internationaler MusikerInnen über Diskursveranstaltungen bis zu einem erstmals in diesem Umfang statt findenden Workshop-Programm für Kinder und Jugendliche.
Dem Kulturschaffen im östlichen Mittelmeerraum, insbesondere in der Türkei und im Nahen Osten, gilt heuer besondere Aufmerksamkeit: Unter dem Motto „Eine neue Verfassung für die Türkei“ soll diskutiert werden, ob die Türkei ein Vorbild für die Demokratiebewegungen im nahen Osten sein kann. Die türkisch-italienische Band FisFüz verbindet uralte Musiktraditionen des Mittelmeerraums mit Jazz zu spannenden neuen Klangwelten. Aron Saltiel und Frederik Mellak erzählen unter dem Titel „Türkensterz“ Märchen und Geschichten aus dem Orient und der Steiermark. Ein türkisch-steirischen Kochkurs rundet ihre Darbietung stilecht ab.
Die heimische Orient-Musikszene vertreten Anne Bennent, Otto Lechner und Ensemble mit dem Erfolgsprojekt „Leila und Madschnun“, welche die berührende Geschichte der beiden Liebenden hinreißend erzählen. Im Rahmen der Tanzshow „Oriental Spectrum“ präsentieren über 30 Tänzerinnen und MusikerInnen einen Querschnitt durch den orientalischen Tanz. Die Bands Circus Domino und Safran aus Wien haben beide einen starken Bezug zum türkisch-iranischen Raum und stellen in einem Benefizkonzert im Rahmen von Salam.Orient die Einnahmen dieses Abends dem Verein von Ute Bock zur Verfügung.
Besonders umfangreich ist in diesem Jahr das Programm für Kinder und Jugendliche: Das iranische Nano Aroosak Kindertheater tourt zum ersten Mal durch Mitteleuropa und macht auch in Wien bei Salam.Orient Station. Timna Brauer und Eli Meiri entführen mit ihrem interaktiven Konzert auf „Eine Reise durch die Weltmusik“. Mit ihren „Songs from Jerusalem“ gibt Timna Brauer zusammen mit Eli Meiri und Courtney Jones einen Überblick über den reichen Schatz von jüdisch-chassidischen Melodien hin bis zu arabischen Kadenzen.
Ganz neu ist die Kooperation mit der Musikschule Wien, die unter dem Titel „Der Wiener Diwan“ ihr Angebot erweitert. In Zusammenarbeit mit Salam.Orient wird erstmals ein Workshop mit der in Wien lebenden Musikerin Özlem Bulut zum Thema „Orientalischer Gesang“; den rund 12.000 SchülerInnen der Musikschule Wien offeriert. Für Kindergartengruppen stehen „Trommelgeschichten aus 1001er Nacht“ mit Eli Meiri & Yldirim Fakilar sowie ein „Orientalischer Tanz- und Trommelworkshop“ mit Bahara Kazerouni und Mamadou Ngom auf dem Programm.
