Themenschwerpunkt 2020


Von 9. bis 19. Oktober 2020
findet die neue Ausgabe von Salam Orient an verschiedenen Spielorten in Wien statt – erstmals auch mit Bildender Kunst und zahlreichen literarischen Veranstaltungen. Außergewöhnlich ist diese Ausgabe aber nicht nur im Hinblick auf die beiden neuen Kunst- und Kultursparten im Rahmen von Salam Orient. Die Covid19 Maßnahmen haben einen Plan B erforderlich gemacht, der sich sehen lassen kann. Schon lange war das Thema „Seidenstraße“ für 2020 angedacht, das einen Fokus auf die zentralasiatische Kunst- und Kultur legen sollte. Diese spannende Region muss nun aufgrund der besonderen Situation noch warten, aber die Symbolik der historischen Seidenstraße könnte dieses Jahr kaum treffender sein.

Die sogenannte Seidenstraße, ein dichtes Netz aus Handelswegen, ermöglichte, dass Waren, Menschen, Glaubensvorstellungen, Ideen, Sprachen und auch Krankheiten von Ost nach West und von West nach Ost, von der Pazifikküste Chinas und Russlands bis an die Atlantikküste Europas und Afrikas gelangen konnten. In gewisser Weise ist die globalisierte Welt – in Zeiten eines schrankenlosen Warenverkehrs ebenso wie in Zeiten einer globalen Pandemie – die Fortsetzung dieses antiken Handelsnetzes. Der Geist des Handels besteht im fairen Tauschen, nicht im kolonialen Rauben. In diesem postkolonialen Sinn widmet sich Salam Orient mit seinem Programm der weltumspannenden Kunst & Kultur, die über Raum und Zeit hinweg einen Spiegel unseres Daseins zwischen Ost und West darstellt.

Programmüberblick – 9.-19. Oktober 2020


Und so eröffnet die afghanische Sängerin Elaha Soroor, berühmt aus der TV Reality Show „Afghan Star“, gemeinsam mit der preisgekrönten UK Formation Kefaya die 19. Ausgabe von Salam Orient im Wiener Flex. Ihre frische, lebendige Interpretation der afghanischen Volksmusik nutzen die Musiker/innen für politischen Dialog und den universellen Kampf für Frauen. Mit dem iranischen Duo Naqsh von Gitarristin Golfam Khayam und Klarinettistin Mona Matbou Riahi, die mittlerweile in Wien lebt, verschmelzen klassische Klänge und zeitgenössische improvisierte Jazzrhythmen zu geheimnisvoller und atemberaubend schöner Musik. Der kurdisch-syrische Musiker Salah Ammo, der seit 2013 in Wien lebt, ist aus der heimischen Musikszene längst nicht mehr wegzudenken. Für Salam Orient stellt er neben langjährigen Wegbegleiter/innen und besonderen Gästen auch seine neueste Formation Wiener Diwan mit einem klassischen Streichquartett der weltberühmten Wiener Symphoniker erstmals in Wien vor. Die palästinensische Band 47SOUL macht derzeit mit ihrem einzigartigen Genre „Shamstep“ – einer Fusion aus traditioneller Straßenmusik, elektronischen Beats und Einflüssen aus Hip/Hop, Funk und Rock – international auf sich aufmerksam. Ein ganz besonderes Highlight des diesjährigen Festivals ist ein Doppelkonzertabend mit Damir Imamović, dem „König der bosnischen Sevdah-Musik“. Für sein neuestes Projekt hat der Künstler ein „All-Star“ Team vereint, um die jahrhundertealten Verbindungen zwischen Sevdah und osmanischer Musik zu erkunden. Gemeinsam mit der „Wienerin aus der Vojvodina“ – der großartigen Jelena Popržan – lässt Damir Imamović in einem zweiten Set an diesem Abend ihre Wurzeln in viele neue Richtungen ranken: von Sevdah bis Aznavour.

Erstmals wird bei Salam Orient Kunst & Performance in Kooperation mit der Galerie philomena+ präsentiert. Dazu ist die pakistanische Künstlerin Tazeen Qayyum für eine 1-monatige Künstlerresidenz im Oktober 2020 nach Wien eingeladen, in der mehrere Projekte entstehen. Im Festivalzeitraum von 9.-19. Oktober finden Kunst Performances, Workshops und Künstlergespräche mit Tazeen Qayyum statt.

Weiters finden im Juni, Juli, August und September 2020 der Lesezirkel Salam Kalam sowie im September 2020 die Schreibwerkstatt Diwan Salam statt. Im Festivalzeitraum wird es eine Präsentation des Lesezirkels und der Schreibwerkstatt geben sowie öffentliche Lesungen samt Künstlergesprächen mit in Wien ansässigen Literat/innen geben.

Geschichte


15 Jahre lang widmete sich Gründer und Intendant Norbert Ehrlich mit Salam Orient der faszinierenden Kulturen des Mittleren & Nahen Ostens und den arabisch geprägten Regionen weltweit. Der geographische Rahmen wird dabei sehr breit gefasst: Kunst & Kultur von Andalusien, über den Maghreb, West- und Ostafrika bis in den Nahen Osten und nach Asien stehen im Fokus. Von traditioneller bis zu zeitgenössischer Musik wie auch Literatur, Kunst oder Tanz wurden bisher bei dem 2-3-wöchigen Festival in Wien präsentiert.

Nach 15  erfolgreichen, intensiven und schönen Jahren hat Intendant Norbert Ehrlich 2017 die Festivalleitung in die Hände von Katrin Pröll und Martina Laab gelegt. Die beiden neuen Verantwortlichen sind seit vielen Jahren als Veranstalterinnen im In- und Ausland tätig. Inhaltlich präsentieren sie bei Salam Orient weiterhin ein hochkarätiges Programm klassisch-traditioneller als auch aktueller Musikströmungen, Kunst und Kultur.

Kulturpolitische Aufgabe


Salam Orient widmet sich seit 18 Jahren der Musik, Kunst und Kultur aus dem Mittleren und Nahen Osten sowie dem arabischen Raum. Jedes Jahr im Oktober werden 10 Tage lang unterschiedliche Veranstaltungsorte in Wien vorwiegend mit Konzerten internationaler und heimischer Künstler/innen, aber auch Lesungen, Podiumsdiskussionen, Künstler/innengespräche, Workshops und speziellen Kinderprogrammen bespielt.

Mit der Sichtbarmachung von klassisch-traditioneller als auch zeitgenössischer moderner Musik, Kunst und Kultur sowie einem speziellen Fokus auf Frauen und gesellschafts- und sozialkritische Künstler/innen soll ein aktuelles und zeitgemäßes Bild der jeweiligen Schwerpunktregionen vermittelt werden. Salam Orient möchte einerseits eine Plattform für Begegnungen und Austausch schaffen und gesellschaftliche, politische und kulturelle Debatten vorantreiben. Andererseits macht das Festival mit seinem Programm den kulturell reichen Beitrag, den viele in Österreich lebende Menschen aus ihren ursprünglichen Herkunftsländern mitbringen, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Salam Orient sieht seine Aufgabe in der Kulturversorgung der in Wien lebenden Menschen aus unterschiedlichsten Herkunftsländern, verschiedenster Generationen.